Laut einer Bewertung der EFSA wird erwartet, dass die Verbreitungsrate von Vibrio in Meeresfrüchten aufgrund des Klimawandels sowohl weltweit als auch in Europa zunehmen wird, insbesondere in Gewässern mit geringem Salzgehalt oder in Brackwasser.

 

Bakterien der Gattung Vibrio sind im Wasser lebende Bakterien, die in Meeresfrüchten vorkommen können. Einige Stämme sind pathogen und können Gastroenteritis oder schwere Infektionen verursachen. In Europa sind drei Arten von Bakterien besonders gefährlich, wenn man Meeresfrüchte isst. Sie heißen Vibrio parahaemolyticus, Vibrio vulnificus und Vibrio cholerae. Vibrio parahaemolyticus wurde in einem Fünftel der getesten Proben gefunden, wovon wiederum 20% einen pathogenen Stamm enthielten.

 

Die Zunahme extremer Wetterereignisse in Europa führt zu einem Anstieg von Vibrio-Infektionen. Wärmere Küstengewässer bieten den Vibrio-Bakterien bessere Bedingungen zur Vermehrung. Das Infektionsrisiko durch den Verzehr kontaminierter Meeresfrüchte steigt. Besonders gefährdet sind Regionen mit Brackwasser oder wenig Salzgehalt im Wasser, z. B. die Ostsee, die Übergangsgewässer zwischen Ost- und Nordsee und das Schwarze Meer sowie Küstengebiete mit Zuflüssen großer Flüsse.

 

Um Vibrio-Infektionen bei Meeresfrüchten zu vermeiden, ist es entscheidend, die Kühlkette während der Verarbeitung, des Transports und der Lagerung aufrechtzuerhalten – insbesondere bei solchen, die zum rohen Verzehr bestimmt sind.

 

In manchen Regionen wird bereits das Verfahren der Depuration angewendet. Dabei werden die lebenden Weichtiere für einige Zeit in Becken mit sauberem, zirkulierendem Meerwasser gehalten, um Mikroorganismen und Toxine herauszuspülen. Austernliebhaber werden von dieser Methode nicht begeistert sein, da dadurch leider auch der typische Geschmack dieser edlen Muscheln teilweise verloren geht.


Auf jeden Fall birgt der Verzehr von rohen Muscheln und Meeresfrüchten ein erhöhtes Risiko, nicht nur durch Vibrio-Bakterien, sondern auch durch weitere Keime wie E. coli oder Salmonellen. Menschen mit geschwächtem Immunsystem und Kinder sollten daher besser keine rohen Meeresfrüchte in größeren Mengen verzehren.

 

IHR PLUS: Unsere AGROLAB-Labore in Italien und Spanien sind die Spezialisten für die Analytik von Vibrio-Bakterien in Meeresfrüchten.

 

Autor: Dr. Frank Mörsberger, AGROLAB GROUP