Supplemente

Im November 2025 hat die Arbeitsgruppe „Fragen der Ernährung“ der Lebensmittelchemischen Gesellschaft (LChG)– eine Fachgrupp der Gesellschaft Deutscher Chemiker e.V. (GDCh) - die Vitamin-Umrechnungstabellen grundlegend überarbeitet und veröffentlicht.

 

Die Vitamin-Umrechnungstabellen dienen seit 2001 – mit einer ersten Revision im Jahr 2006 – als fachliche Referenz zur Berechnung von Vitaminaktivitäten aus unterschiedlichen Vitaminverbindungen.


Auch wenn die Tabellen rechtlich nicht bindend sind, stellen sie in der Praxis einen maßgeblichen Standard für Hersteller, verarbeitende Betriebe, Prüflabore und Überwachungsbehörden dar.

 

Die Aktualisierung erfolgte vor dem Hintergrund:

  • neuer wissenschaftlicher Erkenntnisse
  • neu hinzugekommener Vitaminverbindungen
  • nicht mehr aktueller Vitaminverbindungen

Ziel ist eine wissenschaftlich fundierte, harmonisierte Grundlage für Bewertung, Deklaration und Analytik von Vitaminen.

Wesentliche Änderungen bei Vitamin E

Die größten Anpassungen betreffen Vitamin E. Die Arbeitsgruppe folgt hierbei der Bewertung der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), wonach ausschließlich α-Tocopherole eine Vitamin-E-Aktivität besitzen.

Die Konsequenzen:

  • Die bisherigen Umrechnungsfaktoren für β-, γ- und δ-Tocopherole sowie Tocotrienole wurden gestrichen.
  • Der Umrechnungsfaktor für DL-α-Tocopherol in D-α-Tocopherol (aktives Vitamin E) wurde von 0,74 auf 0,5 abgesenkt.
  • Auch für DL-α-Tocopherylacetat wurde der Faktor angepasst.

Die Reduktion des Faktors von 0,74 auf 0,5 bedeutet praktisch eine Absenkung um rund ein Drittel. Rezepturen mit DL-α-Tocopherol als Ausgangsverbindung müssen künftig eine deutlich höhere Menge einsetzen, um denselben aktiven Vitamin-E-Gehalt ausloben zu können/deklarieren zu können.

Änderungen bei Folsäure

Auch im Bereich Folsäure/Folat-Äquivalente wurden die Tabellen an den aktuellen wissenschaftlichen und regulatorischen Stand angepasst. Neu hinzugekommene Vitaminverbindungen wie Calcium-L-Methylfolat sowie (6S)-5-Methyltetrahydrofolsäure,Glucosaminsalz wurden ergänzt. Damit wird der zunehmenden Verwendung diverser Folat-Formen in Nahrungsergänzungsmitteln und angereicherten Lebensmitteln Rechnung getragen.

Bedeutung für Hersteller und Qualitätskontrolle

Die korrekte Umrechnung von Vitaminverbindungen in das jeweilige aktive Vitamin ist essenziell für:

  • gesetzeskonforme Kennzeichnung
  • Plausibilitätsprüfungen im Rahmen der Eigenkontrolle
  • Spezifikationsbewertungen
  • behördliche Überwachung

Fehlerhafte oder veraltete Umrechnungsfaktoren können zu falschen Deklarationen führen – mit entsprechendem Beanstandungsrisiko.

 

Wir empfehlen daher:

  • Überprüfung bestehender Rezepturen
  • Aktualisierung interner Berechnungstools und Spezifikationen
  • Anpassung von Prüfplänen und Deklarationsgrundlagen
  • Bewertung laufender Produkte im Hinblick auf mögliche Re-Labeling-Erfordernisse

 

IHR PLUS: Wir unterstützen wir Sie bei der analytischen Bewertung Ihrer Produkte sowie bei der fachlichen Einordnung der neuen Umrechnungsfaktoren.

 

Autorin: Dr. Katja Fuchs, AGROLAB GROUP