Vitamin D

Die Verbraucherzentralen haben im Frühjahr 2021 mit Vitamin D angereicherte Lebensmittel unter die Lupe genommen und dabei häufig Überdosierungen gefunden.(1)

 

Vitamin D3 wird zu 80%-90% durch endogene Synthese in der menschlichen Haut gebildet, wenn diese dem Sonnenlicht (UV-Strahlung) ausgesetzt ist. In der dunklen Jahreszeit und bei Menschen, die sich selten im Freien aufhalten, kann es zu einem temporären Mangel kommen. Über die Nahrung werden nur ca. 10-20% des täglichen Bedarfs gedeckt. Über einen Bluttest kann der individuellen Vitamin-D-Status geprüft werden und ggf. befristet ein hochdosiertes Vitamin-D Präparat ärztlich verordnet werden z. B. bei Osteoporoserisiko.
Die Mehrheit greift allerdings ohne vorherige Diagnose vorbeugend zu einem der unzähligen frei verkäuflichen Multivitaminpräparate. Neben Nahrungsergänzungsmitteln werden inzwischen auch Lebensmittel mit Mineralstoffen und Vitaminen angereichert, um den Verbraucher*innen einen „Mehrwert“ zu suggerieren. Im ungünstigsten Fall addiert sich dann die tägliche Aufnahmemenge und übersteigt den empfohlenen Tagesbedarf, insbesondere bei Kindern.

Allzu viel ist ungesund

Es ist längst bekannt, dass auch Vitamine dem Körper nicht in beliebiger Menge zugeführt werden sollten. Bei einer Überdosierung drohen durchaus unerwünschte Nebenwirkungen. „Viel hilft viel“ ist bei Vitaminen und Spurenelementen also keine gute Empfehlung. Wer gesund ist, keinen nachgewiesenen Mangel hat, sich ausgewogen ernährt und sich regelmäßig im Freien aufhält, muss also keine Mangelversorgung an Vitamin D fürchten.

Die europäische Verordnung (EG) 1925/2006 (Anreicherungsverordnung)(2) legt bislang noch keine verbindlichen Höchstmengen für Vitaminzugaben fest. Nur auf nationaler Ebene haben einige EU-Staaten eigene Regulierungen für einzelne Lebensmittel erlassen.

 

Die Verbraucherzentralen sahen bei ihrem Marktcheck von 112 Proben unterschiedlichster, mit Vitamin D angereicherter, Lebensmittel bei 61 Proben eine Überschreitung der empfohlenen Aufnahmemenge des BfR (Bundesinstitut für Risikobewertung). Wir verweisen für die konkreten Resultate und deren Interpretation auf die zitierte Studie. Jedoch soll daran erinnert werden, dass Spezifikationsangaben von vitaminisierten Lebensmitteln und Nahrungsergänzungsmitteln stets korrekt sein müssen. Neben der Gehaltsangabe müssen auch Angaben zur Auslastung der täglich empfohlenen Aufnahmemenge bei einer zugrunde gelegten (realistischen) Verzehrmenge gemacht werden. Überdosierungen sind zwar üblich, um den ausgewiesenen Gehalt bis zum Erreichen der Haltbarkeitsdauer zu gewährleisten.

 

Bis zu einer umfassenden rechtsverbindlichen EU-Regulierung sollten sich die Hersteller an nationale Verordnungen bzw. zur Orientierung an die wissenschaftlich begründeten Empfehlungen z.B. des BfR halten(3).

 

Ergänzung:

Der Lebensmittelverband (BLL) hat in einer Stellungnahme zu der zitierten Veröffentlichung der Verbraucherverbände darauf hingewiesen, dass Teile der Bevölkerung von einem Vitamin-D-Mangel betroffen seien und ein Zusatz des Vitamins zu Lebensmitteln aus Sicht des BLL zu Unrecht diffamiert würde (4).

 

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(1) https://www.verbraucherzentrale.de/sites/default/files/2021-10/marktcheck-report-vitamin_d.pdf

(2) https://eur-lex.europa.eu/legal-content/DE/TXT/PDF/?uri=CELEX:32006R1925&from=MT.

(3) https://www.bfr.bund.de/cm/343/hoechstmengenvorschlaegefuer-vitamin-d-in-lebensmitteln-inklusive-nahrungsergänzungsmitteln.pdf

(4) https://www.lebensmittelverband.de/de/aktuell/20211104-jeder-zweite-erwachsene-in-deutschland-ist-mit-vitamin-d-unterversorgt

 

Autor: Dr. Frank Mörsberger

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