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Das CVUA (Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt) in Stuttgart veröffentlichte seinen Jahresbericht über die amtlichen Pestizidrückstandsuntersuchungen im Jahr 2016. Ohne die Details an dieser Stelle zu präsentieren, die Sie selbst in deren Bericht nachlesen können, sei auf die folgenden Kernaussagen hingewiesen, die sich auch mit unseren Erfahrungen decken:

Frischobst: Von 853 untersuchten Proben aus konventionellem Anbau wiesen 96% (820 Proben) Rückstände von Pestiziden, deren Metaboliten oder anderer Kontaminanten auf! Insgesamt wurden 188 Wirkstoffe in diesen Proben erkannt und 5481 Rückstände nach der geltenden Definition gefunden. Im Durchschnitt fanden sich in den Proben 6,4 Wirkstoffe!
In 59 Obstproben (6,9%) wurden die zulässigen Rückstandhöchstmengen überschritten. Ein erheblicher Anteil der Beanstandungen betraf Überschreitungen bei den sauren Pestiziden Fosetyl/Phosphosäure sowie Chlorat/Perchlorat.

Hier eine Zusammenstellung der Wirkstoffliste der Grenzwertüberschreiter je Produktgruppe bei Frischobst
 

Produktart

Proben Gesamt / mit Rückständen /mit Mehrfachrückständen / beanstandet

Wirkstoffe mit Grenzwertüberschreitungen

Beerenobst

261 / 257 / 251/ 19

Fosetyl, Summe (5x); Chlorat(4x); Spinosad (2x);

Ametoctradin (2x); Vinclozolin; Dimethoat, Summe; Chlorpropham; Fenazaquin; Captan; Folpet; Procymidon; Tebufenozid; Methoxyfenozide; Trimethylsulfonium-Kation

Kernobst

150 / 148 / 146 / 2

Chlormequat; Diphenylamin

Steinobst

161 / 159 / 155 / 13

Chlorat (6x); Fosetyl, Summe (5x); Acetamiprid; Dimethoat,Summe; Carbendazim, Summe; Procymidon

Zitrusfrüchte

106 / 106 /105 / 6

Chlorat (4x); Dicloran; Lambda-Cyhalothrin

„Exoten“

175 / 150 /113 / 19

Fosetyl, Summe (7x); Chlorat (4x); Acetamiprid (2x);

Prochloraz, Summe (2x); Ethephon; Chlorpyrifos; Diuron; Difenoconazol; Flutriafol; Cyfluthrin; Cyprodinil

SUMME

853 / 820 / 770 / 59 (6,9%)

 

Bei den exotische Früchten waren Granatäpfel aus der Türkei und Passionsfrüchte aus Kolumbien besonders auffällig. Bei den Zitrusfrüchten handelt es sich um Chlorat-Überschreiter bis auf eine Probe aus China, die eine Höchstwertüberschreitung bei Dicloran aufwies, das in China zu Schalenbehandlung eingesetzt wird. Bei Proben aus Deutschland wurde überprüft, ob auch Pestizidwirkstoffe eingesetzt wurden, die in einer bestimmten Kultur nicht zugelassen sind. Hier fielen insbesondere Johannisbeeren und Äpfel auf. Bei Beerenobst wurden die folgenden nicht zugelassenen Wirkstoffe nachgewiesen: Difenoconazol (4x); Folpet (4x); Captan (3x); Tebufenozid (2x);Ametoctradin (2x); Vinclozolin; Dimethoat, Summe; Fenoxycarb;Triflumuron; Cyflufenamid; Dithianon; Fenazaquin; Procymidon; Methoxyfenozide; Abamectin, Summe; Fluopyram; im Kernobst Folpet (5x) und Fenoxycarb und bei Steinobst Captan (3x); Procymidon.

Betrachtet man die Häufigkeit der gefundenen Wirkstoffe ergaben sich aus der Studie die folgende TOP 5 der Rückstände in Frischobst:

  1. Fosethyl/Phosphonsäure
  2. Fludioxinyl
  3. Cyprodinil
  4. Boscalid
  5. Trifloxystrobin

Wobei sich die Verteilung je nach Obstart verschiebt. Bei Beerenobst und den exotischen Früchten stehen Fosetyl/Phosphonsäure ganz oben, während bei Kernobst das Chloranthranipol der Spitzenreiter der Funde ist. Bei Steinobst wird die Liste von Boscalid angeführt. An erster Stelle bei den Zitrusfrüchten steht das Schalenbehandlungsmittel Imazalil.

Die Beanstandungsraten der Inlandsproben lagen mit 3,8% am niedrigsten und bei Proben aus Drittländern außerhalb der EU bei 12%. Frischobst aus EU-Anbau (außer Deutschland ) wurde in 5,4% der untersuchten Proben beanstandet  

Frischgemüse: Hier wurden am CVUA 883 Proben aus konventionellem Anbau in 2016 untersuch, von denen 802 Proben Rückstände von insgesamt 202 verschiedenen Wirkstoffen aufwiesen (92%). Grenzwertüberschreitungen gab es bei 143 Proben (16%) was deutlich über den Befunden beim Obst liegt, aber ebenfalls in der Größenordnung der Beanstandungsquoten der vergangenen Jahre lag. Der hohe Anteil beanstandender Proben ist auch bei Frischgemüse erneut auf die Chlorat-Problematik zurückzuführen In 106 Proben wurden die zulässigen Chloratwerte überschritten.

 

Produktart

Proben Gesamt / mit Rückständen /mit Mehrfachrückständen / beanstandet

Wirkstoffe mit Grenzwertüberschreitungen

Blattgemüse

343 / 326 / 295 / 63

Chlorat (49x); Fosetyl, Summe (3x); Dithiocarbamate (2x); Pyraclostrobin (2x); Nikotin (2x); Dikegulac; Chlorpyrifos; Sulfotep; Chlorpyrifos-methyl; Profenofos;

Acetamiprid; Methiocarb, Summe; Carbofuran, Summe; Fluometuron; Metobromuron; Dimethomorph; Boscalid;

Formetanat; Dodin; Cypermethrin; Iprodion

Fruchtgemüse

 321 / 293 / 256 / 56

Chlorat (40x); 4-CPA (4x); Fosetyl, Summe (3x); Chlorfenapyr (3x); Flonicamid, Summe (3x); Chlorpyrifos-methyl; Ethion; Carbofuran, Summe; Methomyl, Summe; Diafenthiuron; Hexaconazol; Permethrin; Azoxystrobin; Metominostrobin;
Emamectin B1a/B1b

Sprossgemüse

130 / 104 / 70 / 16

Chlorat (10x); Fosetyl, Summe (4x); Fluazifop, Summe; Dimethomorph

Wurzelgemüse

87 / 80 / 76 / 7

Chlorat (6x); Chlorthal-dimethyl; Fosetyl,Summe

SUMME

883 / 805 / 699 / 143 (16%)

 

 

Besonders Kräuter und Salate enthalten häufiger zahlreiche Pestizide. Spitzenreiter war eine Probe Dill aus Spanien mit sage und schreibe 23 verschiedenen nachgewiesenen Wirkstoffen!

Die TOP 5 bei den Wirkstofffunden in Frischgemüse sind

  1. Boscalid
  2. Azoxystrobin
  3. Fosetyl/Phosphonsäure
  4. Chlorat
  5. Iprodion
     

Bei den Blatt- und Sprossgemüsen liegt Boscalid ganz vorn, bei den Fruchtgemüsen Fosetyl (Summe) und bei Wurzelgemüsen wurde Azoxystrobin am häufigsten nachgewiesen.

Die Beanstandungsrate lag bei Frischgemüse aus Nicht EU-Ländern mit 27% am höchsten währen 11% der Inlandsproben und 20% der Proben aus EU-Ländern beanstandet wurden.