Sie haben es verpasst? Am 6.11.2018 fand das DLG Forum Food Authenticity in Frankfurt/M. statt. Wir sagen Ihnen was dort besprochen wurde.
 

Begrüßung und Einführung

Ca. 45 Teilnehmer aus der Industrie lauschten den Präsentationen und beteiligten sich an der Plenumsdiskussion zu den aktuellen Fragen, die durch das Thema Bekämpfung des Lebensmittelbetrugs für die Firmen der Lebensmittelwirtschaft stark in den Fokus gerückt sind. Die Mischung der Referenten aus amtlicher Überwachung, Laboren und der Industrie gewährten einen umfassenden Einblick in das Thema.

 

Dass die AGROLABGROUP mit Ihrem FITS-Konzept (Food Integrity Testing Services“ ins Schwarze getroffen hat und praktikable analytische Lösungen anzubieten hat, mit deren Hilfe die Authentizität und Herkunft von Rohstoffen geprüft und bestätigt werden kann, zeigte das Interesse an unseren Informationsbroschüren und die Gespräche mit Dr. Mörsberger (Group Manger Business Line Food Analysis) und Markus Tocha unseren regionalen Vertriebsspezialisten für Lebens- und Futtermittelanalytik in Hessen.

NRZ-Authent: Struktur und zukünftige Herausforderungen
 

Dr. Stefan Eggert vom Max Rubener Institut (MRI) stellte im Eröffnungsreferat die Aktivitäten des „Nationalen Referenzzentrums für authentische Lebensmittel“ kurz NRZ- Authent vor. Er ist der Koordinator des von Bund und Ländern in 2017 gegründeten Zentrums, zu dessen Hauptaufgaben die Bündelung und Weitergabe von Informationen, Forschungsergebnissen und Methoden mit dem Schwerpunkt Authentizitätskontrollen im Kreis der Länderbehörden und im europäischen Netzwerk der amtlichen Lebensmittelkontrolleure ist. Deutschland ist in Europa mit diesem Zentrum derzeit noch allein, hofft aber darauf, dass in den Nachbarländern ähnliche Institutionen gegründet werden, um mittelfristig ein europäisches Netzwerk zu Errichten.

 

Das NRZ Authent ist auf die Mitarbeit der Länderbehörden ebenso angewiesen, wie auf Impulse aus der Lebensmittelindustrie und auch die privaten Labore sollen als wichtige Partner mit ins Boot geholt werden. Derzeit wird an einer Übersicht der diversen Forschungsaktivitäten in Deutschland gearbeitet, die sich mit dem Thema Authentizität von Lebensmitteln beschäftigen. Wir haben die Gelegenheit ergriffen, explizit auf das BLE-Projekt Food Profiling hinzuweisen, das von Prof Fischer von der Universität Hamburg geleitet wird und in dem die AGROLABGROUP mit Ihren Standorten in Kiel und Eching als Entwicklungspartner aktiv an der Etablierung neuer analytischer Methoden beteiligt ist.

 

Bekämpfung von Lebensmittelbetrug/Food Fraud – die zwischenbehördliche Zusammenarbeit als Schlüssel zum Erfolg

Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) war durch Herrn Dr. Oliver Frandrup-Kuhr vertreten, der die zwischenbehördliche Zusammenarbeit beleuchtete, die als wesentlich bei der Aufdeckung und Verfolgung von Lebensmittelbetrugsfällen funktionieren muss. Die EU Kontrollverordnung 2017/625 steckt hierbei den Rahmen ab. Vom Auditorium wurde kritisch bewertet, dass die derzeitigen Kommunikationswege oft zu lang sind und schnelle Reaktionen erschweren. Ein Frühwarnsystem, in dem Betrugsfälle nach 3 Monaten erscheinen, wird diesem Anspruch derzeit nicht gerecht. Die gemeinsamen Übungen auf EU Ebene (OSPON) tragen jedoch spürbar zu einer Verbesserung der Zusammenarbeit bei.

 

Authentizitätsanalytik aus Sicht eines Forschungslabors – Beispiele zu Food Fraud und analytische Lösungsmöglichkeiten

Im folgenden Referate-Block präsentierten Vertreter aus der Laborbranche Beispiele für analytische Verfahren zur Authentizitätsprüfung von Rohstoffen und Lebensmitteln. Dr. Andreas Juaidur vom DIL erwähnte dabei auch, dass die Betrüger durchaus innovativ sind, am Beispiel des Einsatzes verbotener Textil- Farbstoffe bei der Verfälschung von Gewürzen. Der Zusatz von Reaktivfarbstoffen der Azo-Gruppe können mit den herkömmlichen chromatografischen Methoden kaum mehr nachgewiesen werden, weil sich diese kovalent an Inhaltsstoffe(Proteine) binden. Was in der Textilfärbung gewünscht ist, um die Farben nicht auswachbar mit der Faser zu verbinden, nutzt den Lebensmittelbetrügern, weil sich ohne spezielle Probenvorbereitungen aus der Gewürzprobe nicht mehr zerstörungsfrei extrahieren und bestimmen lassen.

 

1H-NMR Analytik zur Authentizitätsprüfung von Olivenöl im Rahmen des OLEUM-Projektes

Dr. Ole Winkelmann von Eurofins widmete sich in seinem Vortrag dem Thema Olivenöl. Er zeigte die Möglichkeiten aber auch die Grenzen der NMR-Methodik für die Herkunftsanalytik auf. Mit einer gewissen Genugtuung registrierten wir, dass wir auf diesem Gebiet in Zusammenarbeit mit AlNuMed und der Universität Bayreuth hier derzeit einen gewissen Vorsprung zu haben scheinen. Als wichtigen Punkt wurde auch in der Diskussion immer wieder erwähnt, dass die Verfügbarkeit authentischer Referenzproben wesentlich zum Erfolg beiträgt. Bis auf weitere ist nicht damit zu rechnen, dass die Daten der vermessenen Referenzmuster allgemein öffentlich verfügbar gemacht werden und von den Laboren als Wissensvorsprung streng gehütet werden.

 

Food Fraud aus Lieferantensicht – Risikominimierungsstrategien im Hause ADM Wild Europe GmbH & Co. KG

Food Fraud aus der Sicht eine Lieferanten in der Lebensmittelproduktionskette beleuchtet Dirk Schweikert von ADM Wild einem großen Aromenhersteller. Über 1600 Rohstoffe allein an einem Standort in Deutschland müssen hinsichtlich des Betrugsrisikos eingestuft und verfolgt werden. Eine Aufgabe, die immens erscheint. Der Referent meinte daher auch, wenn er für jeden Rohstoff 40 Minuten diskutieren müsste ( wie das im Seminar zum Thema Olivenöl gemacht wurde), dann würden sie das niemals bewältigen können. Daher wies er daraufhin, dass die Produzenten Ihr HACCP-Knowhow insbesondere in der Erstellung von Risikoanalysen in diesem Fall als Verwundbarkeitsanalyse beschrieben, in leicht modifizierter Form einsetzen können und das Rad nicht neu erfinden müssten, da viele Strukturen und Abläufe bereits existieren. Neu ist, dass im Falle der Lebensmittelbetrugs-Prävention auch der Einkauf eng einbezogen werden muss. Diese Fachleute im Unternehmen beobachten die Märkte, Preise und Handelsströme und können dem Qualitätsmanagement wichtige Hinweise auf neue Betrugsrisiken geben.

 

Bewertung analytischer Strategien und Verfahren zur Authentizitätsprüfung von Honig, Sirup und Bienenwachs

Ein weiterer Laborbeitrag widmete sich speziell der Produktgruppe Honig, Sirup und Bienenwachs, die traditionell in der Manipulations-Hitliste weltweit weit oben stehen. Viele Aspekte dieses Beitrags waren jedoch bereits von den Beträgen der Vorredner erschöpfend dargestellt worden.

 

Zur Tierartendifferenzierung, einem Thema das nach dem mehrfach erwähnten „Pferdefleisch“-Skandal in den Fokus geriet, widmete sich das Referat von Dr. Eileen Brandenburger von der Analytik Jena. In Ihrem Beitrag fasste sie die aktuellen immunologischen und molekularbiologischen Analysenmethoden zusammen, die ihre Firma anbietet.
Den Abschluss machte ein Vortrag zum Thema geographischer Herkunftsnachweis von Xenia Getzert vom Forschungsinstitut für Biologischen Landbau in Frankfurt (FiBL) in dem aufgezeigt wurde wie die regionale Herkunft von Agrarprodukten über die Stabilisotopen-Spektroskopie überprüft werden kann. Ein Verfahren, das die AGROLABGROUP über die enge Zusammenarbeit mit dem Partner IMPRINT Analytics in Ihrem Angebot hat - sogar als akkreditierte Methode!

 

Ende der Veranstaltung

Die abschließende Podiumsdiskussion griff nochmals die Fragen des Auditoriums auf. Als Fazit konnte mitgenommen werden, dass das Thema Lebensmittelbetrug und dessen Prävention mittlerweile branchenübergreifend in der Lebensmittelindustrie angenommen ist und die Einsicht gereift ist, dass es mit reinen Prüfungen auf Dokumentenebene zukünftig nicht mehr getan ist.

 

Einigkeit herrschte auch darüber, dass auf politischer und behördlicher Ebene das Thema ebenfalls bearbeitet wird, aber die derzeitigen politischen Strukturen keine schnellen und vor allem länderübergreifend harmonisierten Lösungen versprechen. Man konnte ebenfalls mitnehmen, dass die privaten Labore sich des Themas von analytischer Seite her marktorientiert und pragmatisch nähern und heute schon wirksame Verfahren zur Unterstützung anbieten, die zunehmend auch preislich attraktiv sind. Die Industrievertreter setzen auf besseren Informationsaustausch über Ihre Netzwerke und betrachten die analytischen Tools in der Etablierung von Maßnahmen zur Vermeidung von Food Fraud Fällen in Ihrem Einflussbereich als wichtige und sinnvolle Ergänzung.

 

Last but not least sollte erwähnt werden, dass DLG Forum professionell moderiert und bestens organisiert war und den TeilnehmerInnen zu einem fairen Preis einen umfassenden Überblick zum Thema angeboten hat. Gern unterstützen wir derartige Veranstaltungen auch in Zukunft.

 

Lesen Sie mehr dazu:

https://www.dlg.org/

 

AutorInnen dieser Ausgabe:

Dr. Frank Mörsberger (FM)
Annika Ulbricht (AU)

 

 

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